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Die Geschichte der Feuerwehr Obergrochlitz


Die Anfänge einer Feuerwehr in Obergrochlitz

Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Häuser des „Vorwerks Grochlitz“, des späteren Kammergutes, noch die einzigen Gebäude in diesem Gebiet. Erst im Jahre 1752 gab die Obergreizer Herrschaft bekannt, dass sie ihren Untertanen einige Bauplätze in Grochlitz zur Besiedlung überlassen wolle. Grund hierfür war unter anderem die Tatsache, dass bei Feuersgefahr im allein gelegenen Vorwerk „geraume Zeit vergeht, ehe jemand zu Hilf und Rettung zur Stelle sein kann“. Es folgten erste Siedler. Weiterhin schaffte man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Vorwerk eine eigene Feuerspritze an. Es handelte sich um ein Gerät des Greizer Spritzenfabrikanten Julius Rohn.

In einem am 17. Januar 1882 verfassten Brief an die Herrschaft wird die Aufmerksamkeit der Fürstl. Hohen Kammer in Greiz auf jene Feuerspritze gelenkt, welche sich den Ausführungen nach in sehr schlechtem Zustand befunden haben muss. Es ging soweit, dass angezweifelt wurde, dass das Gerät im Brandfall einsatzfähig sei. Hinzu kam, dass es zu diesem Zeitpunkt die einzige Spritze im Grochlitzer Gebiet war, was ihr natürlich eine enorme Bedeutung beimaß.

Am Nachmittag des 24. Januar 1882 also machte sich darauf der zuständige Amtmann Kupfer aus Greiz auf den Weg zum Gut nach Grochlitz, um die Feuerspritze genauer unter die Lupe zu nehmen. Er stellte zunächst fest, dass sich die Spritze nicht im vorgesehenen Spritzenhäuschen an der Nordseite im Innenhof befand, sondern in einem Bretterschuppen.

Vom Zustand der Spritze war er allerdings auch nicht sonderlich begeistert. Er schätzte die Kosten der Wiederherstellung der Spritze auf 250 Mark. Wohl besonders durch die stetig zunehmende Siedlungswelle über Ober- und Untergrochlitz war man gewillt, den Orten ausreichenden Brandschutz zu gewähren. Am 10. Februar 1882 ging es deshalb in einer Sitzung der Kammer Greiz um die Mitbenutzung der Feuerspritze auf dem Kammergut durch die beiden nunmehr herausgebildeten Ortschaften. Als erste Bedingungen wurden die Mitbeteiligung an Kosten von Reparaturen und das Stellen einer Einsatzmannschaft angegeben. Die Gemeindevorstände von Ober- und Untergrochlitz sahen sich nun wohl hin- und hergerissen, bisher ist man für die Beschaffung und Unterhaltung der Moschwitzer Spritze aufgekommen, durfte diese im Gegenzug aber auch nutzen. Moschwitz bildete schon 1868 zusammen mit Ober- und Untergrochlitz eine Spritzengemeinschaft. Entscheidend aber war letztendlich für die beiden Orte, dass die Wahl der Spritze auf dem Kammergut den Vorteil der Nähe zum eigenen Ort hatte. Nach einer späteren Auskunft des Untergrochlitzer Gemeindevorstehers könne die Feuerspritze innerhalb von zehn Minuten vom Kammergut bis nach Untergrochlitz gebracht werden.

Schließlich einigte man sich in einer Kammersitzung am 25. April 1882 im Beisein der Gemeindevorsteher Eichhorn (Untergrochlitz) und Heyer (Obergrochlitz) endgültig auf eine Dreiteilung sowohl der Nutzung als auch der anfallenden Unkosten. Hier liegt die Geburtsstunde des Spritzenverbandes zwischen  Ober-, Untergrochlitz und dem Kammergut. Dass die vereinbarte Dreiteilung der Kosten wohl nicht immer ganz ernst genommen wurde, zeigt eine Beschwerde des Kammergut-Pächters und Spritzenmeisters Horn vom 15. Mai 1893, die in der Kammer Greiz zu Papier gebracht wurde.

Er berichtet, dass die Untergrochlitzer die Feuerspritze rechtmäßig zur Löschung eines Brandes am 8. April 1893 benutzten. Allerdings hätten sie die vorher einwandfreie Spritze in einem „schadhaften Zustand zurückgegeben, der jeder Beschreibung spotte“[i]. Horn musste daher als Verwalter der Spritze Reparaturkosten von 42,75 Mark entrichten und wollte nun natürlich die Anteile der beiden Gemeinden eintreiben. Diese aber – sowohl Ober-, also auch Untergrochlitz – verweigerten die Zuzahlung. „Letztere verwehrt sich überhaupt gegen jede Zahlung und weist die Rechnung an die Fürstlich Hohe Kammer“, beschwerte sich Horn.

Zum Inventar der Feuerspritze auf dem Kammergut gehörten um 1883 weiterhin sechs Feuereimer, drei Feuerleitern und zwei Feuerhaken. Obergrochlitz besaß zu der Zeit nur zwei Teiche im Ort und einen unweit des Kammergutes. Bei niedrigem Wasserstand im Sommer stand aber nahezu bei jedem der etwa 50 Anwesen ein Brunnen zur Verfügung. Das Problem der ausreichenden Wasserversorgung sollte die Zuständigen jedoch etwa 40 Jahre später nochmals beschäftigen. Es gab auch Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts schon Bestrebungen zur Gründung einer Feuerwehr. Doch fehlte es nach den Aufzeichnungen noch an „der nötigen Geneigtheit und an der erforderlichen Mannschaft“[ii]. Es ist anzunehmen, dass es sich um eine Pflichtfeuerwehr handelte. Gemäß der dieser Akte beigefügten Feuerpolizei-Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1883 musste der Gemeindevorstand nämlich jährlich Dienstpflichtige zu einer Mannschaft aufstellen. Verpflichtet zum Dienst bei der Feuerwehr waren alle Männer im Alter von 21 bis 55 Jahren. Ausgenommen waren dagegen u. a. Geistliche, Ärzte, Apotheker und übrigens auch Mitglieder der fürstlichen Familie. Dass diese Brandschutz-Bestrebungen auch bei der noch dünnen Besiedlung von großer Bedeutung waren, zeigen die öfters ausbrechenden Feuersbrünste. So ereignete sich z. B. in den Abendstunden des 26. Mai 1895 im Haus des Hermann Schenderlein (Nr. 48) ein schwerer Brand, bei dem ein Wohnhaus zerstört wurde.

 

Die Zeit vom ersten Weltkrieg bis zur Neugründung 1961

Auch um 1910 nutzte die Gemeinde Obergrochlitz noch die Spritze auf dem Kammergut, die sie sich nach wie vor mit den Untergrochlitzern teilte. 1913 wurden nochmals umfangreiche Reparaturen vorgenommen. Obergrochlitz und Caselwitz verschmolzen 1921 zu der Gemeinde „Caselwitz-Grochlitz“. Nun machte sich der Bürgermeister Ernst Köhler berechtigte Sorgen über den Brandschutz in Obergrochlitz und Caselwitz. Es existierte nämlich lediglich eine Spritze in Altcaselwitz – und eben jene auf dem Grochlitzer Gut, das mittlerweile zum Staatsgut geworden war. Das bedeutete, dass im Falle von gleichzeitigen Bränden in Unter- und Obergrochlitz für einen der beiden Orte keine Brandbekämpfungsmittel verfügbar wären, wie Köhler in einem Schreiben an das Land ausführte. Da die Spritze auf dem Gut für Untergrochlitz erhalten bleiben musste und ebenso jene in Caselwitz (auch zum Schutz des Ortsteils „Krellenhäuser“) nicht entfernt werden konnte, musste im Zentrum von Obergrochlitz eine zusätzliche Spritze stationiert werden. Der Gemeinderat erwarb also im Jahre 1922 eine wenig gebrauchte und voll funktionsfähige Handdruckspritze für 7500 Mark. Zu diesem recht günstigen Preis gesellten sich noch weitere Kosten, u. a. für Zubehör wie z. B. Schläuche. Doch was nützt schon eine neuwertige Spritze, wenn es im Ort keinen einzigen Teich gibt, der das ganze Jahr über Wasser enthält? Genau das aber musste der Obergrochlitzer Gemeinderat nun feststellen. Also pachtete man ein städtisches Grundstück wenig außerhalb des Dorfes vorerst auf 18 Jahre und legte einen Teich an, der gewährleistete, dauerhaft Wasser zu führen. Ein Spritzenhaus gab es anfangs noch nicht, sollte aber möglichst bald errichtet werden. Zunächst befand sich die Spritze in einem Nebengebäude auf dem Grundstück des Sattlers Wilhelm Neidhardt in Obergrochlitz.

Im Jahre 1922 schließlich wurden 14 Greizer Vororte, unter ihnen Caselwitz-Grochlitz, in die Stadt eingemeindet, so dass die Freiwilligen Feuerwehren der Vororte von nun an zur Greizer Wehr gehörten und im Gesamten die „Groß-Greizer-Wehr“ bildeten.

Später, um 1925, war die Spritze im Gelände des damaligen Waisenhauses Carolinenfeld untergebracht. Die Löschtruppe bestand aus etwa zehn größtenteils jungen Männern, die sich hin und wieder mit ihrem „Wehrführer“ Herrn Kanis trafen und hierbei mehr über die Feuerwehr-Kommandosprache und die Technik erfuhren. Man konnte noch von einer Pflichtfeuerwehr sprechen, denn manche Teilnehmer wurden zu dieser Aufgabe bestellt. Die „Feuerwehrmänner“ kennzeichnete eine einheitliche Kurt-Armbinde, nicht etwa eine Uniform. Es sei also angemerkt, dass es sich in dieser Zeit in Obergrochlitz noch nicht um eine voll organisierte Wehr handelte, vielmehr um eine Art Löschtruppe, die im Brandfall ihrer Tätigkeit der Bedienung der Spritze und der Feuerbekämpfung nachkam.

Es ist überliefert, dass die Obergrochlitzer Feuerspritze später im Grundstück vom „Keller´s Eberhardt“ am Dorfplatz stationiert war, der an der Alten Gasse Nr. 1 wohnte (zuletzt „Obergrochlitzer Lebensmitteleck“). Von hier ist sie aber etwa zu Kriegsende spurlos verschwunden, über die genauen Umstände ist nichts bekannt.

Wie auch vielen anderen Organisationen, so brachte der zweite Weltkrieg – genauso wie der erste – durch den Einzug vieler Männer und der finanziellen Knappheit dieser vermeintlichen Wehr schlechte Zeiten. Nach 1945 konnte vorerst hauptsächlich die Arbeit der städtischen Freiwilligen Feuerwehr wenn auch unter dürftigen Bedingungen fortgesetzt werden.

 

Neugründung 1961: Auftakt zu einer beispielhaften Einheit im Dienste des Brandschutzes

In Obergrochlitz hat es bekanntlich vor 1961 keine voll organisierte Feuerwehr gegeben. Mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik im Jahre 1949 jedoch sollte dem nach und nach Abhilfe geschaffen werden. Im neu gegründeten Staat genoss die Einrichtung Feuerwehr zum Schutz des Volkes und des Volksbesitzes hohes Ansehen und gewann an Bedeutung.

Die Folgen des Krieges aber gingen auch an Obergrochlitz nicht spurlos vorbei. So konnte vorwiegend aus finanziellen Gründen und Mangel an Männern erst am 22. März 1961 eine neue Feuerwehr gegründet werden. Gründungsmitglieder waren die Kameraden Wolfgang Jahn (†), Hilmar Pippig, Wolfgang Schilling (†), Lothar Spehala (†), Ernst Stelzig (†) und Rudi Zaumseil (†). Einige der Genannten hatten bereits vorher Erfahrungen im Feuerwehrdienst gesammelt. Während Lothar Spehala z. B. vor seiner Zeit als Obergrochlitzer Kamerad in der Greizer Berufsfeuerwehr organisiert war, gehörte Hilmar Pippig bis 1961 der Betriebsfeuerwehr der „Greika“ an. Letzterer wurde mit der Neugründung der Obergrochlitzer Feuerwehr zum Wehrleiter gewählt. Ein Amt, dass er ganze 30 Jahre lang ausführen sollte.

In den Anfangsjahren verfügte die FFW Obergrochlitz noch nicht über ein eigenes Löschfahrzeug. Bei einem Brand in der Goldenen Höhe beispielsweise rückten die Kameraden daher mit einem Mannschaftszug aus. Der Feuerlöschanhänger musste also zum Einsatzort gezogen bzw. geschoben werden. Abhilfe geschaffen wurde diesen Bedingungen erst 1965, als die Obergrochlitzer Kameraden ihr erstes Löschfahrzeug aus den Händen der Culmitzscher Wehr erhielten.

Eine der ersten Amtshandlungen der frisch gebackenen Truppe war die komplette Renovierung des Obergrochlitzer Hydrantennetzes.

Zu einer verbindlichen Aufgabe der Feuerwehr gehörten damals auch die sogenannten „Brandschutzrevisionen“. Hierbei handelte es sich um Prüfungen auf brandschutztechnische Fahrlässigkeiten und Sicherheitsmängel. Diese freiwilligen Kontrollen führten die Kameraden in den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) genauso wie in öffentlichen Einrichtungen oder privaten Haushalten durch. Neben wertvollen Tipps erhielten die Verantwortlichen im Bedarfsfalle die Auflage, die festgestellten Mängel zu beseitigen.

Die Durchführung dieser Tätigkeit ist in Obergrochlitz übrigens seit 1869 nachweisbar. Nur wurde sie hier vermutlich vorwiegend vom jeweiligen Dorfpolizisten, dem „Gendarm“ verrichtet. Diese, anfangs „Feuerstättenrevisionen“ genannten Kontrollen nahm man, wie 100 Jahre später auch, als Ordnungswidrigkeiten auf. Ein markanter Unterschied: bei mehrmaliger Nichtbeachtung der Auflagen konnten Geldbußen von z. B. 10 Mark verhängt werden. Vom Wortlaut her betrachtet unterscheiden sich die Aufzeichnungen bei den Revisionen kaum von den späteren und lauten oft ähnlich wie z. B.: „...in Seidels Wohnstube fehlt das Blech von dem Ofen...“.

Zurück zu den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts: Schließlich war es an der Zeit, der neu formierten Wehr ihr eigenes Domizil zu geben. Man entschied sich für ein Grundstück in der Nähe des damaligen Pflegeheims Carolinenfeld. Das Gelände befindet sich seit jeher im Besitz der Stadt, so wurde es den Obergrochlitzer Kameraden übergeben. Diese machten sich fortan frisch ans Werk. Einen alten Holzschuppen, der von Straßenarbeitern genutzt wurde, riss man weg. Der erste Spatenstich erfolge am 29. April 1967. Zwei Tage darauf, am 1. Mai 1967, fand hierzu eine kleine Feier statt. Viel Zeit zum Feiern war allerdings erst einmal nicht, verrichteten die Kameraden der FFW doch den gesamten Bau in Eigenregie und Eigenleistung. Die Früchte ihrer Arbeit konnten sie im Herbst 1967 ernten, als das neue Gerätehaus fertiggestellt war. Nun hatte die FFW Obergrochlitz erstmals ein eigenes Gebäude, in dem Sitzungen und Ausbildungen durchgeführt, weiterhin natürlich Ausrüstung, Fahrzeug und Gerätschaften untergebracht werden konnten.

Von Anfang an wurden detaillierte Dienstpläne angelegt, weiterhin gab es noch spezielle Ausbildungs- und Schulungspläne (z. B. für Maschinisten), in denen (wie auch heute) die Veranstaltungen und geplanten Aktivitäten für ein Jahr niedergeschrieben wurden. Für Einsätze existierte ein sogenanntes „Diensthabendensystem“. Dieses funktionierte so: für eine Woche wurde immer verbindlich eine Gruppe eingeteilt, die in dieser Zeit abrufbar und einsatzbereit sein musste, andernfalls hatte vorher eine Abmeldung zu erfolgen, um Ersatz zu schaffen. So war immer gewährleistet, dass genug Feuerwehrleute zur Verfügung standen.

Stichwort Einsatz: Die Sirene – die auch heute noch ihren Dienst tut – befindet sich seit etwa 1970 auf dem Dach der Obergrochlitzer Turnhalle („Kulturhaus“) – und sorgt für schnelle und allgemeine Alarmierung der Einsatzkräfte. Früher geschah die Auslösung durch eine direkt an der Hauswand angebrachte Anlage, die im Brandfall betätigt wurde und die Sirene in Gang setzte. Später konnte das auch direkt durch die Zentrale in Greiz erfolgen, bevor in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts die Leitstelle in Gera diese Aufgabe übernahm.

Im Jahre 1976 erhielten die Obergrochlitzer Kameraden ein modernes Löschfahrzeug des Typs „Robur LO“, zu diesem Anlass fand eine feierliche Übergabe vor dem Gerätehaus der Feuerwehr statt. Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr machte, auch aufgrund dieser technischen Errungenschaft, natürlich einen gewaltigen Schritt nach vorn, so dass man nicht selten einige Minuten eher am Einsatzort war als etwa die Stützpunktfeuerwehr Greiz!

Um diese Zeit war übrigens ein Teil der Feuerwehr-Mitglieder auch überregional organisiert, denn einige Kameraden gehörten außerdem der Brandschutzeinheit des Bezirkes Gera an. Diese ist vergleichbar mit der heutigen Katastrophenschutz-Truppe. Es handelte sich um eine organisierte Abteilung, die auch Übungen und (mitunter militärische) Ausbildungen durchführte. Notwendig war hierfür eine gewisse Qualifikation wie eine Feuerwehrausbildung. Jene Feuerwehrleute kamen dann z. B. auch kurzfristig wie beim großen Hochwasser von 1981 im Gebiet Gera zum Einsatz. Dort nächtigten sie für die Zeit ihres Einsatzes in Quartieren vor Ort, welche sich durchaus auch ganz bescheiden eine Etage über den überschwemmten Stockwerken befanden!

Seinerzeit zählte die gesamte Einsatztruppe dieser aufstrebenden Obergrochlitzer Feuerwehr bis zu 30 Mitglieder. Jene bewiesen ihr Können auch des öfteren bei Wettkämpfen. Hier wurden – meist von staatlicher Seite – Ausscheide organisiert, bei denen sich die Wehren miteinander verglichen. Durch den vollen Einsatz der Kameraden konnten nicht selten Spitzenleistungen erreicht werden. Ihr Können und ihren Einsatz stellten die Feuerwehrleute aber auch bei Aktionen, die nicht unbedingt die Feuerwehr betrafen, unter Beweis. Ein Beispiel hierfür ist die Aktion „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!“, die im Jahre 1987 durchgeführt wurde. Als enorm wichtig galten weiterhin die sogenannten „Fahrzeugappelle“, bei denen das Einsatzfahrzeug der Wehr von einem ausgewählten Komitee auf Herz und Nieren geprüft wurde. Dieses Komitee bestand meist aus einem Mitglied der Greizer Wehr, Abgeordneten des Rates des Kreises und der Stadt (Brandschutzabteilung). Diese Kontrollen wurden durch die Obergrochlitzer Kameraden – wie auch anderswo – sehr ernst genommen. Vor jenen Appellen, die in der Regel einmal jährlich stattfanden, überprüften und säuberten die Mitglieder noch einmal Fahrzeug, Gerätehaus und Anlagen aufs Gründlichste, schließlich sollte am Tag der Kontrolle alles wie aus dem Ei gepellt aussehen! Dass die Obergrochlitzer Wehr hier oft vorzüglich am Werk war, beweist ein Blick auf die Urkunden. Schließlich konnte hier nicht selten mit der Note „1“ die Höchstauszeichnung erreicht werden.

Natürlich wurde auch mal gefeiert, so fanden z. B. bereits damals Weihnachtsfeiern und Feiern zum ersten Mai statt. Letztere beging man im Gelände der Feuerwehr. Anwesend waren meist noch die Lebensgefährten. Hierzu kam auch mal Friedemann Welz der gleichnamigen Obergrochlitzer Fleischerei vorbei, um für die Kameraden Roster zu braten. Ein andermal nahmen die Obergrochlitzer Feuerwehrleute aber auch uniformiert beim großen 1. Mai-Umzug in der Stadt teil.

Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts werden die Maifeiern in Verbindung mit dem Maibaumaufstellen durch den Feuerwehrverein e. V. organisiert und durchgeführt. Markanter Unterschied: die Feste finden nicht im kleinen Kreis der Feuerwehr statt, sondern sind nunmehr allgemeine Dorffeste, welche der Bevölkerung die Gelegenheit zum gegenseitigen Treffen bieten und zum Plaudern und Verweilen einladen.

Ein bedeutsames Jahr für die Obergrochlitzer Kameraden war 1981. Zunächst einmal konnte man hier – im Rahmen der Feier des 20-jährigen Jubiläums – durchaus mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken. Anlässlich dieser Festlichkeit fand auf dem Gelände der Moschwitzer LPG, zusammen mit den Kameraden der Stützpunktfeuerwehr Greiz, eine Übung statt. Ein weiterer Eckpfeiler in diesem Jahr war die Erweiterung des Feuerwehr-Gerätehauses. In zahlreichen Arbeitseinsätzen konnte durch die Mitglieder der Feuerwehr ein Schulungsraum, ein Tanklager sowie ein Waschraum ein- bzw. angebaut werden, was natürlich die Qualität der Dienste und der Ausbildungen noch weiter verbesserte.

 

Seit 1989: vertraute aber auch neue Aufgaben von stetig großer Bedeutung

Seit der politischen Wende im Jahre 1989 nahmen die Kameraden der Obergrochlitzer Feuerwehr Kontakt mit der Feuerwehr Thölau (bei Marktredwitz) auf, so dass im Laufe der Jahre eine partnerschaftliche Beziehung entstand, die sich durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch und dem beiderseitigen Besuchen von Feuerwehr-Veranstaltungen gestaltet. So machen es diese beiden Ortsteilfeuerwehren ihren Stadtfeuerwehren gleich, denn auch die Feuerwehren der Städte Greiz und Marktredwitz pflegen eine solche Partnerschaft.

Die 90er Jahre sollten auch für die Obergrochlitzer Wehr einige Neuerungen mit sich bringen. Zunächst schied im Jahre 1991 der insgesamt 30 Jahre amtierende Wehrleiter Hilmar Pippig aus dem Amt und Günter Künzel rückte an seine Stelle. Am 31. März 1993 trat die „Satzung der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Greiz“ in Kraft, welche auf der Thüringer Feuerwehrorganisations-Verordnung fußt.

Zwei Jahre später, am 3. Februar 1995, erlebte die Feuerwehr Obergrochlitz eine Neustrukturierung. Zusätzlich zu der bestehenden Feuerwehr wurde der Feuerwehrverein e. V. gegründet, zu dessen Aufgaben die Unterstützung der Wehr und die Mitgestaltung des kulturellen Lebens in Obergrochlitz zählen. Hierzu gehört auch die bereits erwähnte Feier des Maibaumaufstellens sowie der Weihnachtsmarkt, der im Rahmen des Tannenbaumaufstellens traditionell am 1. Advent auf dem Dorfplatz durchgeführt wird.

Eine besonders wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe wird der Obergrochlitzer Feuerwehr mit zwei ortsansässigen Institutionen zu Teil. Gemeint sind zum einen die im Einzugsgebiet liegenden Gebäude des Diakonievereins Carolinenfeld e. V. (Wohnheim, Carolinenschule u. a.) und der Flugplatz des Luftsportvereins Greiz e. V. zum anderen. In diesem Rahmen sind die Zusammenarbeit und Aufklärung natürlich besonders gefragt. Deshalb finden auf dem Flugplatz in unregelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen statt. Im Wohnheim Carolinenfeld dagegen wird regelmäßig – meist in Zusammenarbeit mit der Stützpunktfeuerwehr Greiz – eine solche Veranstaltung, beispielsweise in Form von Übungen für den Ernstfall, durchgeführt. Die wichtigste Aufgabe jedoch sieht die Obergrochlitzer Ortsteilfeuerwehr in der Funktion als eine der Hauptunterstützungen der Greizer Feuerwehr. Um dieser Bestimmung auch weiterhin gerecht zu werden, erhielten die Obergrochlitzer Kameraden am 30. Juni 1996 ein neues und modernes Einsatzfahrzeug, welches vom Greizer Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann feierlich übergeben wurde.

Seit 1998 können interessierte Kinder und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr Obergrochlitz/Caselwitz erste Erfahrungen im Brandschutz und in der praktischen Feuerwehr-Arbeit sammeln. Kinder ab 10 Jahren werden seither unter der fachlichen Leitung von Günter Kehm auf ihren – wenn gewollt und machbar – zukünftigen Dienst in der Einsatztruppe vorbereitet. Untermalt wird das Programm durch Ausfahrten, wie z. B. vor einigen Jahren zur Feuerwehr-Leitstelle der Berufsfeuerwehr Gera.

Was noch vor über 100 Jahren als „Löschverband“ oder „Spritzengemeinschaft“ zwischen Obergrochlitz und seinen Nachbargemeinden funktionierte, gestaltet sich heute durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch oder das kollektive Durchführen/Besuchen von Veranstaltungen wie gemeinsamen Übungen oder Diensten zusammen mit den Freiwilligen Feuerwehren von Caselwitz und Moschwitz. Unverzichtbar ist darüber hinaus die Unterstützung und enge Zusammenarbeit mit der Stützpunktfeuerwehr Greiz.

Am 20. Oktober 2000 konnten die Kameraden ihr in zahlreichen Arbeitseinsätzen renoviertes Gerätehaus einweihen. Ziemlich genau ein Jahr später, zum Tag der deutschen Einheit 2001, beging die Obergrochlitzer Feuerwehr feierlich ihr 40-jähriges Jubiläum seit der Neugründung im Jahre 1961. Zu diesem Anlass fand im Gelände der Feuerwehr ein Fest statt, welches mit einem feierlichen Festakt seinen Höhepunkt hatte. Hier wurde in Anwesenheit zahlreicher Gäste durch den Greizer Bürgermeister Dr. Andreas Hemmann der bisherige Wehrleiter Günter Künzel abberufen und sein Nachfolger Frank Künzel offiziell ins Amt eingeführt. Günter Künzel war 36 Jahre lang Mitglied der Obergrochlitzer Feuerwehr und davon zehn Jahre Wehrleiter. Weiterhin wurde Hilmar Pippig für seine 30-jährige Tätigkeit als Wehrleiter geehrt.

Seitdem ist wieder eine Menge passiert. Vermeidbare Einsätze wie zahlreiche Meldereinläufe in einigen öffentlichen Greizer Gebäuden wie dem Kinocenter oder der Altstadtgalerie entpuppen sich doch meist als schlichte Fehlalarme. Zwar lässt dieser Umstand natürlich immer wieder aufatmen, ärgerlich ist das ständige Ausrücken dennoch. Größere Einsätze gibt es ebenfalls genug. Als Beispiel seien hier nur der Großbrand im April 2004 in der Greizer Firma „Canatex“ oder in jüngerer Vergangenheit, am 12. Oktober 2004, der Brand eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Greizer Markt genannt, an deren Bekämpfung die Obergrochlitzer Kameraden beteiligt waren.

Neben solchen unheilvollen Ereignissen darf aber auch die Nennung der schönen Sachen im Alltag der Obergrochlitzer Feuerwehr nicht versäumt werden. Am 3. Oktober 2003 zum Beispiel konnte der in den vorhergehenden Wochen in zahlreichen Arbeitseinsätzen erfolgte Anbau an das Gerätehaus eingeweiht werden. Dies fand anlässlich des Tages der offenen Tür statt, zu dem seit einigen Jahren am Tag der deutschen Einheit eingeladen wird und der sich Jahr für Jahr recht großer Resonanz erfreuen kann.

So trägt die Feuerwehr neben ihrer ursprünglichen Tätigkeit des Brand- und Katastrophenschutzes durch den Feuerwehrverein auch zum kulturellen Leben im Greizer Vorort Obergrochlitz bei. Diese mitunter doch zeitaufwändigen Aktivitäten finden alle ehrenamtlich statt, zum einen mit dem Ziel „retten, bergen, löschen, schützen“, zum anderen mit dem Ziel, die Bevölkerung zu erfreuen und ihr ein Forum für gegenseitigen Kontakt einzuräumen. Möge das Fortbestehen beider Tätigkeitsfelder für alle Zeit „feuersicher“ sein!



Anmerkungen:

Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift "Der Heimatbote" vom 05/2005 veröffentlicht.

[i] Thüringisches Staatsarchiv Greiz: Kammer Greiz, Nr. 68

[ii] Thüringisches Staatsarchiv Greiz: Reuß. Landratsamt Greiz, Nr. 6075

 

Quellen:

Thüringisches Staatsarchiv Greiz:

-       Kammer Greiz, Kap. 2, Nr. 68

-       Reuß. Landratsamt Greiz, Nr. 6075; Nr. 6089; Nr. 6128; Nr. 6168; Nr. 6190

 

Reg-Gesch. Privatarchiv C. Uhlig - Archiv der Obergrochlitzer Feuerwehr/Verein:

-        H FF Og. 12, Nr. 3

-        H FF Og. 15, Nr. 1

-        H FF Og. 18, Nr. 2

 

weitere Quellen:

-        Zeitzeugenbefragungen, mündliche Überlieferung

-        Sven Klein, Günter Künzel: „Die Freiwillige Feuerwehr Obergrochlitz“, in: Sven Klein (Hrsg.): „Obergrochlitz – Blicke in die Vergangenheit und Gegenwart eines Greizer Vorortes“, Greiz 1999, S. 46 f

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