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Die
Geschichte der Feuerwehr ObergrochlitzDie
Anfänge einer Feuerwehr in Obergrochlitz
Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Häuser des
„Vorwerks Grochlitz“, des späteren Kammergutes, noch die einzigen
Gebäude in diesem Gebiet. Erst im Jahre 1752 gab die Obergreizer
Herrschaft bekannt, dass sie ihren Untertanen einige Bauplätze in
Grochlitz zur Besiedlung überlassen wolle. Grund hierfür war unter
anderem die Tatsache, dass bei Feuersgefahr im allein gelegenen Vorwerk
„geraume Zeit vergeht, ehe jemand zu Hilf und Rettung zur Stelle sein
kann“. Es folgten erste Siedler. Weiterhin schaffte man in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Vorwerk eine eigene Feuerspritze
an. Es handelte sich um ein Gerät des Greizer Spritzenfabrikanten
Julius Rohn. In einem
am 17. Januar 1882 verfassten Brief an die Herrschaft wird die
Aufmerksamkeit der Fürstl. Hohen Kammer in Greiz auf jene Feuerspritze
gelenkt, welche sich den Ausführungen nach in sehr schlechtem Zustand
befunden haben muss. Es ging soweit, dass angezweifelt wurde, dass das
Gerät im Brandfall einsatzfähig sei. Hinzu kam, dass es zu diesem
Zeitpunkt die einzige Spritze im Grochlitzer Gebiet war, was ihr natürlich
eine enorme Bedeutung beimaß. Am
Nachmittag des 24. Januar 1882 also machte sich darauf der zuständige
Amtmann Kupfer aus Greiz auf den Weg zum Gut nach Grochlitz, um die
Feuerspritze genauer unter die Lupe zu nehmen. Er stellte zunächst
fest, dass sich die Spritze nicht im vorgesehenen Spritzenhäuschen an
der Nordseite im Innenhof befand, sondern in einem Bretterschuppen. Vom
Zustand der Spritze war er allerdings auch nicht sonderlich begeistert.
Er schätzte die Kosten der Wiederherstellung der Spritze auf 250 Mark.
Wohl besonders durch die stetig zunehmende Siedlungswelle über Ober-
und Untergrochlitz war man gewillt, den Orten ausreichenden Brandschutz
zu gewähren. Am 10. Februar 1882 ging es deshalb in einer Sitzung der
Kammer Greiz um die Mitbenutzung der Feuerspritze auf dem Kammergut
durch die beiden nunmehr herausgebildeten Ortschaften. Als erste
Bedingungen wurden die Mitbeteiligung an Kosten von Reparaturen und das
Stellen einer Einsatzmannschaft angegeben. Die Gemeindevorstände von
Ober- und Untergrochlitz sahen sich nun wohl hin- und hergerissen,
bisher ist man für die Beschaffung und Unterhaltung der Moschwitzer
Spritze aufgekommen, durfte diese im Gegenzug aber auch nutzen.
Moschwitz bildete schon 1868 zusammen mit Ober- und Untergrochlitz eine
Spritzengemeinschaft. Entscheidend aber war letztendlich für die beiden
Orte, dass die Wahl der Spritze auf dem Kammergut den Vorteil der Nähe
zum eigenen Ort hatte. Nach einer späteren Auskunft des
Untergrochlitzer Gemeindevorstehers könne die Feuerspritze innerhalb
von zehn Minuten vom Kammergut bis nach Untergrochlitz gebracht werden. Schließlich
einigte man sich in einer Kammersitzung am 25. April 1882 im Beisein der
Gemeindevorsteher Eichhorn (Untergrochlitz) und Heyer (Obergrochlitz)
endgültig auf eine Dreiteilung sowohl der Nutzung als auch der
anfallenden Unkosten. Hier liegt die Geburtsstunde des Spritzenverbandes
zwischen Ober-,
Untergrochlitz und dem Kammergut. Dass die vereinbarte Dreiteilung der
Kosten wohl nicht immer ganz ernst genommen wurde, zeigt eine Beschwerde
des Kammergut-Pächters und Spritzenmeisters Horn vom 15. Mai 1893, die
in der Kammer Greiz zu Papier gebracht wurde. Er berichtet, dass die Untergrochlitzer die
Feuerspritze rechtmäßig zur Löschung eines Brandes am 8. April 1893
benutzten. Allerdings hätten sie die vorher einwandfreie Spritze in
einem „schadhaften Zustand zurückgegeben, der jeder Beschreibung
spotte“[i].
Horn musste daher als Verwalter der Spritze Reparaturkosten von 42,75
Mark entrichten und wollte nun natürlich die Anteile der beiden
Gemeinden eintreiben. Diese aber – sowohl Ober-, also auch
Untergrochlitz – verweigerten die Zuzahlung. „Letztere verwehrt sich
überhaupt gegen jede Zahlung und weist die Rechnung an die Fürstlich
Hohe Kammer“, beschwerte sich Horn. Zum Inventar der Feuerspritze auf dem Kammergut gehörten um 1883 weiterhin sechs Feuereimer, drei Feuerleitern und zwei Feuerhaken. Obergrochlitz besaß zu der Zeit nur zwei Teiche im Ort und einen unweit des Kammergutes. Bei niedrigem Wasserstand im Sommer stand aber nahezu bei jedem der etwa 50 Anwesen ein Brunnen zur Verfügung. Das Problem der ausreichenden Wasserversorgung sollte die Zuständigen jedoch etwa 40 Jahre später nochmals beschäftigen. Es gab auch Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts schon Bestrebungen zur Gründung einer Feuerwehr. Doch fehlte es nach den Aufzeichnungen noch an „der nötigen Geneigtheit und an der erforderlichen Mannschaft“[ii]. Es ist anzunehmen, dass es sich um eine Pflichtfeuerwehr handelte. Gemäß der dieser Akte beigefügten Feuerpolizei-Feuerlöschordnung aus dem Jahre 1883 musste der Gemeindevorstand nämlich jährlich Dienstpflichtige zu einer Mannschaft aufstellen. Verpflichtet zum Dienst bei der Feuerwehr waren alle Männer im Alter von 21 bis 55 Jahren. Ausgenommen waren dagegen u. a. Geistliche, Ärzte, Apotheker und übrigens auch Mitglieder der fürstlichen Familie. Dass diese Brandschutz-Bestrebungen auch bei der noch dünnen Besiedlung von großer Bedeutung waren, zeigen die öfters ausbrechenden Feuersbrünste. So ereignete sich z. B. in den Abendstunden des 26. Mai 1895 im Haus des Hermann Schenderlein (Nr. 48) ein schwerer Brand, bei dem ein Wohnhaus zerstört wurde. Die
Zeit vom ersten Weltkrieg bis zur Neugründung 1961 Auch
um 1910 nutzte die Gemeinde Obergrochlitz noch die Spritze auf dem
Kammergut, die sie sich nach wie vor mit den Untergrochlitzern teilte.
1913 wurden nochmals umfangreiche Reparaturen vorgenommen. Obergrochlitz
und Caselwitz verschmolzen 1921 zu der Gemeinde „Caselwitz-Grochlitz“.
Nun machte sich der Bürgermeister Ernst Köhler berechtigte Sorgen über
den Brandschutz in Obergrochlitz und Caselwitz. Es existierte nämlich
lediglich eine Spritze in Altcaselwitz – und eben jene auf dem
Grochlitzer Gut, das mittlerweile zum Staatsgut geworden war. Das
bedeutete, dass im Falle von gleichzeitigen Bränden in Unter- und
Obergrochlitz für einen der beiden Orte keine Brandbekämpfungsmittel
verfügbar wären, wie Köhler in einem Schreiben an das Land ausführte.
Da die Spritze auf dem Gut für Untergrochlitz erhalten bleiben musste
und ebenso jene in Caselwitz (auch zum Schutz des Ortsteils „Krellenhäuser“)
nicht entfernt werden konnte, musste im Zentrum von Obergrochlitz eine
zusätzliche Spritze stationiert werden. Der Gemeinderat erwarb also im
Jahre 1922 eine wenig gebrauchte und voll funktionsfähige
Handdruckspritze für 7500 Mark. Zu diesem recht günstigen Preis
gesellten sich noch weitere Kosten, u. a. für Zubehör wie z. B. Schläuche.
Doch was nützt schon eine neuwertige Spritze, wenn es im Ort keinen
einzigen Teich gibt, der das ganze Jahr über Wasser enthält? Genau das
aber musste der Obergrochlitzer Gemeinderat nun feststellen. Also
pachtete man ein städtisches Grundstück wenig außerhalb des Dorfes
vorerst auf 18 Jahre und legte einen Teich an, der gewährleistete,
dauerhaft Wasser zu führen. Ein Spritzenhaus gab es anfangs noch nicht,
sollte aber möglichst bald errichtet werden. Zunächst befand sich die
Spritze in einem Nebengebäude auf dem Grundstück des Sattlers Wilhelm
Neidhardt in Obergrochlitz. Im
Jahre 1922 schließlich wurden 14 Greizer Vororte, unter ihnen
Caselwitz-Grochlitz, in die Stadt eingemeindet, so dass die Freiwilligen
Feuerwehren der Vororte von nun an zur Greizer Wehr gehörten und im
Gesamten die „Groß-Greizer-Wehr“ bildeten. Später,
um 1925, war die Spritze im Gelände des damaligen Waisenhauses
Carolinenfeld untergebracht. Die Löschtruppe bestand aus etwa zehn größtenteils
jungen Männern, die sich hin und wieder mit ihrem „Wehrführer“
Herrn Kanis trafen und hierbei mehr über die Feuerwehr-Kommandosprache
und die Technik erfuhren. Man konnte noch von einer Pflichtfeuerwehr
sprechen, denn manche Teilnehmer wurden zu dieser Aufgabe bestellt. Die
„Feuerwehrmänner“ kennzeichnete eine einheitliche Kurt-Armbinde,
nicht etwa eine Uniform. Es sei also angemerkt, dass es sich in dieser
Zeit in Obergrochlitz noch nicht um eine voll organisierte Wehr
handelte, vielmehr um eine Art Löschtruppe, die im Brandfall ihrer Tätigkeit
der Bedienung der Spritze und der Feuerbekämpfung nachkam. Es
ist überliefert, dass die Obergrochlitzer Feuerspritze später im
Grundstück vom „Keller´s Eberhardt“ am Dorfplatz stationiert war,
der an der Alten Gasse Nr. 1 wohnte (zuletzt „Obergrochlitzer
Lebensmitteleck“). Von hier ist sie aber etwa zu Kriegsende spurlos
verschwunden, über die genauen Umstände ist nichts bekannt. Wie auch
vielen anderen Organisationen, so brachte der zweite Weltkrieg –
genauso wie der erste – durch den Einzug vieler Männer und der
finanziellen Knappheit dieser vermeintlichen Wehr schlechte Zeiten. Nach
1945 konnte vorerst hauptsächlich die Arbeit der städtischen
Freiwilligen Feuerwehr wenn auch unter dürftigen Bedingungen
fortgesetzt werden.
Neugründung
1961: Auftakt zu einer beispielhaften Einheit im Dienste des
Brandschutzes
Die Folgen des Krieges aber gingen auch an
Obergrochlitz nicht spurlos vorbei. So konnte vorwiegend aus
finanziellen Gründen und Mangel an Männern erst am 22. März 1961 eine
neue Feuerwehr gegründet werden. Gründungsmitglieder waren die
Kameraden Wolfgang Jahn (†), Hilmar Pippig, Wolfgang Schilling (†),
Lothar Spehala (†), Ernst Stelzig (†) und Rudi Zaumseil (†).
Einige der Genannten hatten bereits vorher Erfahrungen im
Feuerwehrdienst gesammelt. Während Lothar Spehala z. B. vor seiner Zeit
als Obergrochlitzer Kamerad in der Greizer Berufsfeuerwehr organisiert
war, gehörte Hilmar Pippig bis 1961 der Betriebsfeuerwehr der „Greika“
an. Letzterer wurde mit der Neugründung der Obergrochlitzer Feuerwehr
zum Wehrleiter gewählt. Ein Amt, dass er ganze 30 Jahre lang ausführen
sollte.
Eine der
ersten Amtshandlungen der frisch gebackenen Truppe war die komplette
Renovierung des Obergrochlitzer Hydrantennetzes. Zu einer
verbindlichen Aufgabe der Feuerwehr gehörten damals auch die
sogenannten „Brandschutzrevisionen“. Hierbei handelte es sich um Prüfungen
auf brandschutztechnische Fahrlässigkeiten und Sicherheitsmängel.
Diese freiwilligen Kontrollen führten die Kameraden in den
Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) genauso wie in öffentlichen
Einrichtungen oder privaten Haushalten durch. Neben wertvollen Tipps
erhielten die Verantwortlichen im Bedarfsfalle die Auflage, die
festgestellten Mängel zu beseitigen. Die
Durchführung dieser Tätigkeit ist in Obergrochlitz übrigens seit 1869
nachweisbar. Nur wurde sie hier vermutlich vorwiegend vom jeweiligen
Dorfpolizisten, dem „Gendarm“ verrichtet. Diese, anfangs „Feuerstättenrevisionen“
genannten Kontrollen nahm man, wie 100 Jahre später auch, als
Ordnungswidrigkeiten auf. Ein markanter Unterschied: bei mehrmaliger
Nichtbeachtung der Auflagen konnten Geldbußen von z. B. 10 Mark verhängt
werden. Vom Wortlaut her betrachtet unterscheiden sich die
Aufzeichnungen bei den Revisionen kaum von den späteren und lauten oft
ähnlich wie z. B.: „...in Seidels Wohnstube fehlt das Blech von dem
Ofen...“. Zurück
zu den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts: Schließlich war es an der
Zeit, der neu formierten Wehr ihr eigenes Domizil zu geben. Man
entschied sich für ein Grundstück in der Nähe des damaligen
Pflegeheims Carolinenfeld. Das Gelände befindet sich seit jeher im
Besitz der Stadt, so wurde es den Obergrochlitzer Kameraden übergeben.
Diese machten sich fortan frisch ans Werk. Einen alten Holzschuppen, der
von Straßenarbeitern genutzt wurde, riss man weg. Der erste Spatenstich
erfolge am 29. April 1967. Zwei Tage darauf, am 1. Mai 1967, fand hierzu
eine kleine Feier statt. Viel Zeit zum Feiern war allerdings erst einmal
nicht, verrichteten die Kameraden der FFW doch den gesamten Bau in
Eigenregie und Eigenleistung. Die Früchte ihrer Arbeit konnten sie im
Herbst 1967 ernten, als das neue Gerätehaus fertiggestellt war. Nun
hatte die FFW Obergrochlitz erstmals ein eigenes Gebäude, in dem
Sitzungen und Ausbildungen durchgeführt, weiterhin natürlich Ausrüstung,
Fahrzeug und Gerätschaften untergebracht werden konnten. Von Anfang an wurden detaillierte Dienstpläne
angelegt, weiterhin gab es noch spezielle Ausbildungs- und Schulungspläne
(z. B. für Maschinisten), in denen (wie auch heute) die Veranstaltungen
und geplanten Aktivitäten für ein Jahr niedergeschrieben wurden. Für
Einsätze existierte ein sogenanntes „Diensthabendensystem“. Dieses
funktionierte so: für eine Woche wurde immer verbindlich eine Gruppe
eingeteilt, die in dieser Zeit abrufbar und einsatzbereit sein musste,
andernfalls hatte vorher eine Abmeldung zu erfolgen, um Ersatz zu
schaffen. So war immer gewährleistet, dass genug Feuerwehrleute zur
Verfügung standen. Stichwort Einsatz: Die Sirene – die auch heute noch
ihren Dienst tut – befindet sich seit etwa 1970 auf dem Dach der
Obergrochlitzer Turnhalle („Kulturhaus“) – und sorgt für schnelle
und allgemeine Alarmierung der Einsatzkräfte. Früher geschah die Auslösung
durch eine direkt an der Hauswand angebrachte Anlage, die im Brandfall
betätigt wurde und die Sirene in Gang setzte. Später konnte das auch
direkt durch die Zentrale in Greiz erfolgen, bevor in den 90er Jahren
des 20. Jahrhunderts die Leitstelle in Gera diese Aufgabe übernahm.
Um diese Zeit war übrigens ein Teil der
Feuerwehr-Mitglieder auch überregional organisiert, denn einige
Kameraden gehörten außerdem der Brandschutzeinheit des Bezirkes Gera
an. Diese ist vergleichbar mit der heutigen Katastrophenschutz-Truppe.
Es handelte sich um eine organisierte Abteilung, die auch Übungen und
(mitunter militärische) Ausbildungen durchführte. Notwendig war hierfür
eine gewisse Qualifikation wie eine Feuerwehrausbildung. Jene
Feuerwehrleute kamen dann z. B. auch kurzfristig wie beim großen
Hochwasser von 1981 im Gebiet Gera zum Einsatz. Dort nächtigten sie für
die Zeit ihres Einsatzes in Quartieren vor Ort, welche sich durchaus
auch ganz bescheiden eine Etage über den überschwemmten Stockwerken
befanden! Seinerzeit zählte die gesamte Einsatztruppe dieser
aufstrebenden Obergrochlitzer Feuerwehr bis zu 30 Mitglieder. Jene
bewiesen ihr Können auch des öfteren bei Wettkämpfen. Hier wurden –
meist von staatlicher Seite – Ausscheide organisiert, bei denen sich
die Wehren miteinander verglichen. Durch den vollen Einsatz der
Kameraden konnten nicht selten Spitzenleistungen erreicht werden. Ihr Können
und ihren Einsatz stellten die Feuerwehrleute aber auch bei Aktionen,
die nicht unbedingt die Feuerwehr betrafen, unter Beweis. Ein Beispiel
hierfür ist die Aktion „Schöner unsere Städte und Gemeinden –
Mach mit!“, die im Jahre 1987 durchgeführt wurde. Als enorm wichtig
galten weiterhin die sogenannten „Fahrzeugappelle“, bei denen das
Einsatzfahrzeug der Wehr von einem ausgewählten Komitee auf Herz und
Nieren geprüft wurde. Dieses Komitee bestand meist aus einem Mitglied
der Greizer Wehr, Abgeordneten des Rates des Kreises und der Stadt
(Brandschutzabteilung). Diese Kontrollen wurden durch die
Obergrochlitzer Kameraden – wie auch anderswo – sehr ernst genommen.
Vor jenen Appellen, die in der Regel einmal jährlich stattfanden, überprüften
und säuberten die Mitglieder noch einmal Fahrzeug, Gerätehaus und
Anlagen aufs Gründlichste, schließlich sollte am Tag der Kontrolle
alles wie aus dem Ei gepellt aussehen! Dass die Obergrochlitzer Wehr
hier oft vorzüglich am Werk war, beweist ein Blick auf die Urkunden.
Schließlich konnte hier nicht selten mit der Note „1“ die Höchstauszeichnung
erreicht werden. Natürlich wurde auch mal gefeiert, so fanden z. B.
bereits damals Weihnachtsfeiern und Feiern zum ersten Mai statt.
Letztere beging man im Gelände der Feuerwehr. Anwesend waren meist noch
die Lebensgefährten. Hierzu kam auch mal Friedemann Welz der
gleichnamigen Obergrochlitzer Fleischerei vorbei, um für die Kameraden
Roster zu braten. Ein andermal nahmen die Obergrochlitzer Feuerwehrleute
aber auch uniformiert beim großen 1. Mai-Umzug in der Stadt teil. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts werden die
Maifeiern in Verbindung mit dem Maibaumaufstellen durch den
Feuerwehrverein e. V. organisiert und durchgeführt. Markanter
Unterschied: die Feste finden nicht im kleinen Kreis der Feuerwehr
statt, sondern sind nunmehr allgemeine Dorffeste, welche der Bevölkerung
die Gelegenheit zum gegenseitigen Treffen bieten und zum Plaudern und
Verweilen einladen. Ein bedeutsames Jahr für die Obergrochlitzer
Kameraden war 1981. Zunächst einmal konnte man hier – im Rahmen der
Feier des 20-jährigen Jubiläums – durchaus mit Stolz auf das
Erreichte zurückblicken. Anlässlich dieser Festlichkeit fand auf dem
Gelände der Moschwitzer LPG, zusammen mit den Kameraden der Stützpunktfeuerwehr
Greiz, eine Übung statt. Ein weiterer Eckpfeiler in diesem Jahr war die
Erweiterung des Feuerwehr-Gerätehauses. In zahlreichen Arbeitseinsätzen
konnte durch die Mitglieder der Feuerwehr ein Schulungsraum, ein
Tanklager sowie ein Waschraum ein- bzw. angebaut werden, was natürlich
die Qualität der Dienste und der Ausbildungen noch weiter verbesserte.
Seit
1989: vertraute aber auch neue Aufgaben von stetig großer Bedeutung Seit der politischen Wende im Jahre 1989 nahmen die
Kameraden der Obergrochlitzer Feuerwehr Kontakt mit der Feuerwehr Thölau
(bei Marktredwitz) auf, so dass im Laufe der Jahre eine
partnerschaftliche Beziehung entstand, die sich durch gegenseitigen
Erfahrungsaustausch und dem beiderseitigen Besuchen von
Feuerwehr-Veranstaltungen gestaltet. So machen es diese beiden
Ortsteilfeuerwehren ihren Stadtfeuerwehren gleich, denn auch die
Feuerwehren der Städte Greiz und Marktredwitz pflegen eine solche
Partnerschaft.
Zwei Jahre später, am 3. Februar 1995, erlebte die
Feuerwehr Obergrochlitz eine Neustrukturierung. Zusätzlich zu der
bestehenden Feuerwehr wurde der Feuerwehrverein e. V. gegründet, zu
dessen Aufgaben die Unterstützung der Wehr und die Mitgestaltung des
kulturellen Lebens in Obergrochlitz zählen. Hierzu gehört auch die
bereits erwähnte Feier des Maibaumaufstellens sowie der
Weihnachtsmarkt, der im Rahmen des Tannenbaumaufstellens traditionell am
1. Advent auf dem Dorfplatz durchgeführt wird. Eine besonders wichtige und verantwortungsvolle
Aufgabe wird der Obergrochlitzer Feuerwehr mit zwei ortsansässigen
Institutionen zu Teil. Gemeint sind zum einen die im Einzugsgebiet
liegenden Gebäude des Diakonievereins Carolinenfeld e. V. (Wohnheim,
Carolinenschule u. a.) und der Flugplatz des Luftsportvereins Greiz e.
V. zum anderen. In diesem Rahmen sind die Zusammenarbeit und Aufklärung
natürlich besonders gefragt. Deshalb finden auf dem Flugplatz in
unregelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen statt. Seit 1998 können interessierte Kinder und Jugendliche in der Jugendfeuerwehr Obergrochlitz/Caselwitz erste Erfahrungen im Brandschutz und in der praktischen Feuerwehr-Arbeit sammeln. Kinder ab 10 Jahren werden seither unter der fachlichen Leitung von Günter Kehm auf ihren – wenn gewollt und machbar – zukünftigen Dienst in der Einsatztruppe vorbereitet. Untermalt wird das Programm durch Ausfahrten, wie z. B. vor einigen Jahren zur Feuerwehr-Leitstelle der Berufsfeuerwehr Gera.
Was noch vor über 100 Jahren als „Löschverband“
oder „Spritzengemeinschaft“ zwischen Obergrochlitz und seinen
Nachbargemeinden funktionierte, gestaltet sich heute durch gegenseitigen
Erfahrungsaustausch oder das kollektive Durchführen/Besuchen von
Veranstaltungen wie gemeinsamen Übungen oder Diensten zusammen mit den
Freiwilligen Feuerwehren von Caselwitz und Moschwitz. Unverzichtbar ist
darüber hinaus die Unterstützung und enge Zusammenarbeit mit der Stützpunktfeuerwehr
Greiz. Am 20. Oktober 2000 konnten die
Kameraden ihr in zahlreichen Arbeitseinsätzen renoviertes Gerätehaus
einweihen. Ziemlich genau ein Jahr später, zum Tag der deutschen
Einheit 2001, beging die Obergrochlitzer Feuerwehr feierlich ihr 40-jähriges
Jubiläum seit der Neugründung im Jahre 1961. Zu diesem Anlass fand im
Gelände der Feuerwehr ein Fest statt, welches mit einem feierlichen
Festakt seinen Höhepunkt hatte. Seitdem ist wieder eine Menge
passiert. Vermeidbare Einsätze wie zahlreiche Meldereinläufe in
einigen öffentlichen Greizer Gebäuden wie dem Kinocenter oder der
Altstadtgalerie entpuppen sich doch meist als schlichte Fehlalarme. Zwar
lässt dieser Umstand natürlich immer wieder aufatmen, ärgerlich ist
das ständige Ausrücken dennoch. Größere Einsätze gibt es ebenfalls
genug. Als Beispiel seien hier nur der Großbrand im April 2004 in der
Greizer Firma „Canatex“ oder in jüngerer Vergangenheit, am 12.
Oktober 2004, der Brand eines Wohn- und Geschäftshauses auf dem Greizer
Markt genannt, an deren Bekämpfung die Obergrochlitzer Kameraden
beteiligt waren. Neben solchen unheilvollen Ereignissen
darf aber auch die Nennung der schönen Sachen im Alltag der
Obergrochlitzer Feuerwehr nicht versäumt werden. Am 3. Oktober 2003 zum
Beispiel konnte der in den vorhergehenden Wochen in zahlreichen
Arbeitseinsätzen erfolgte Anbau an das Gerätehaus eingeweiht werden.
Dies fand anlässlich des Tages der offenen Tür statt, zu dem seit
einigen Jahren am Tag der deutschen Einheit eingeladen wird und der sich
Jahr für Jahr recht großer Resonanz erfreuen kann. So trägt die Feuerwehr neben ihrer
ursprünglichen Tätigkeit des Brand- und Katastrophenschutzes durch den
Feuerwehrverein auch zum kulturellen Leben im Greizer Vorort
Obergrochlitz bei. Diese mitunter doch zeitaufwändigen Aktivitäten
finden alle ehrenamtlich statt, zum einen mit dem Ziel „retten,
bergen, löschen, schützen“, zum anderen mit dem Ziel, die Bevölkerung
zu erfreuen und ihr ein Forum für gegenseitigen Kontakt einzuräumen. Möge
das Fortbestehen beider Tätigkeitsfelder für alle Zeit
„feuersicher“ sein! Anmerkungen:
Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift "Der Heimatbote" vom
05/2005 veröffentlicht.
[i] Thüringisches Staatsarchiv Greiz: Kammer Greiz, Nr. 68 [ii] Thüringisches Staatsarchiv Greiz: Reuß. Landratsamt Greiz, Nr. 6075 Quellen: Thüringisches
Staatsarchiv Greiz: - Kammer Greiz, Kap. 2, Nr. 68 - Reuß. Landratsamt Greiz, Nr. 6075; Nr. 6089; Nr. 6128; Nr. 6168; Nr. 6190 Reg-Gesch.
Privatarchiv C. Uhlig - Archiv der Obergrochlitzer Feuerwehr/Verein: -
H
FF Og. 12, Nr. 3 -
H
FF Og. 15, Nr. 1 -
H
FF Og. 18, Nr. 2 weitere
Quellen: - Zeitzeugenbefragungen, mündliche Überlieferung - Sven Klein, Günter Künzel: „Die Freiwillige Feuerwehr Obergrochlitz“, in: Sven Klein (Hrsg.): „Obergrochlitz – Blicke in die Vergangenheit und Gegenwart eines Greizer Vorortes“, Greiz 1999, S. 46 f - priv. Zeitungssammlung OTZ, verschiedene Jahrgänge |